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Strategie & Management
Wachstumsfaktoren

F&E: Einsame Insel oder integrierter Innovationsmotor?

Professor Dr. Guido Quelle (Autor)

01.09.12 - 13:30

Wie Unternehmen mit Forschung und Entwicklung umgehen und was F&E leisten sollen, sind grundlegende Fragen einer erfolgsbasierten, strategischen Ausrichtung. Dieser Beitrag will dabei unterstützen, F&E als Gestaltungselement profitablen Wachstums in den unternehmerischen Prozess zu integrieren.

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Perfektion

Forschern und Entwicklern ist es ein Gräuel, halbfertige Produkte und Dienstleistungen an den Markt zu bringen. Was einerseits eine höchst löbliche Einstellung ist, kann sich in der Praxis als hartnäckig festsitzende Bremse erweisen, wenn sich das Perfektionsstreben auf die allerletzten Details konzentriert.

Wie viel Liebe benötigt eine neue Dienstleistung oder ein neues Produkt also? Wann ist die Innovation «fertig»? Wird eine Innovation zu früh auf den Markt gebracht und enthält sie noch eklatante Fehler, läuft man Gefahr, enttäuschte Kunden zu erzeugen, die möglicherweise die gesamte Innovationsinitiative zum Fallen bringen. Wird die Innovation aber zu spät auf den Markt gebracht, besteht die Gefahr, dass der Wettbewerb – wieder einmal – schneller war.

Perfektionsstreben ist so lange zu akzeptieren, wie es sich auf wirklich qualitätsentscheidende Punkte konzentriert. Abgesehen natürlich von gesetzlichen Vorschriften, die selbstverständlich eingehalten werden müssen, entscheidet dabei der Kunde – und nicht das Unternehmen –, was «qualitätsentscheidend» bedeutet.

Daher kann grundsätzlich ein Pilotansatz befürwortet werden, der es einem Unternehmen in einem geschützten, vertrauten Umfeld ermöglicht, seine neuen, fast fertigen Produkte und Dienstleistungen zu testen. Zwecks dessen ist, je nach Branche des Unternehmens, ein bestimmter Kundenkreis oder ein regionales Umfeld zu selektieren. Dabei muss deutlich werden, dass es sich um eine Pilotphase handelt und dass man unbedingt Feedback zu den neuen Produkten und Dienstleistungen wünscht.

Ist eine solche Pilotphase abgeschlossen, überraschen die Antworten der Zielgruppe häufig, denn einige Elemente des Feedbacks hätte man nicht erwartet und weitere wiederum, die man erwartet hätte, werden gar nicht auftauchen. Zur Integration von F&E in den Unternehmenskontext gehört also auch das Öffnen in Richtung der Zielgruppe. Selbstverständlich muss auch dieser Prozess gesteuert werden, aber es lohnt sich stets, können damit schliesslich wertvolle Zeit gespart und finanzielle Mittel gezielter eingesetzt werden.

Eines soll nicht verschwiegen werden: Perfektion ist häufig eine Ausrede für mangelnde Kritikfähigkeit, denn dann, wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung «perfekt» ist, kann sie nicht mehr kritisiert werden, muss man sich der Kritik nicht mehr aussetzen. Letztendlich aber entscheidet der Kunde, ob er tatsächlich ein perfektes Produkt möchte. Meist genügt ihm ein Produkt, das seine Anforderungen erfüllt.

Fazit

Unternehmen müssen im Hinblick auf F&E zweierlei zwingend entscheiden:

  • Soll F&E institutionalisiert oder mindestens innerhalb eines strukturierten Prozesses stattfinden oder soll es bei einer opportunistischen Entwicklungsarbeit bleiben?
  • Wie soll F&E innerhalb des Unternehmens angebunden werden, um einen möglichst hohen Beitrag zum profitablen Wachstum des Unternehmens zu leisten?

Alle weiteren Aspekte wie Informationsbeschaffung, Leistungsmessung und der Umgang mit Perfektionsstreben leiten sich aus den Antworten auf diese beiden Fragen ab. Ob F&E ein Motor oder eine Insel ist, ist das Resultat einer aktiven unternehmerischen Entscheidung.

Porträt

Professor Dr. Guido Quelle (Autor)

Unternehmer, Berater, Autor, Redner, Mandat Managementberatung GmbH

Prof. Dr. Guido Quelle ist Diplom-Informatiker und promovierte an der Technischen Universität Dortmund über Marktsegmentstrategien in Handelsunternehmen zum Doktor der Ingenieurwissenschaften. Die SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft in Hamm berief Quelle im November 2010 zum Honorarprofessor für Management. Quelle lehrt an der Hochschule bereits seit der Aufnahme des Lehrbetriebs im Jahr 2005. Sein aktuelles Lehrgebiet ist «Strategieberatung». Im Ehrenamt ist Quelle aktuell Vorsitzer der Westfälischen Kaufmannsgilde, Mitglied des Stiftungsrates der Manfred-Fischer-Stiftung, Mitglied des Kuratoriums des Vereins zur Förderung der Wettbewerbswirtschaft e. V. sowie Handelsrichter am Landgericht Dortmund. 2008 wurde Quelle als erster Europäer in die «Million Dollar Consultant Hall of Fame» berufen.

Die Mandat Managementberatung GmbH in Dortmund, mit Büros in London und New York, unterstützt ihre Klienten seit29 Jahren dabei, profitabel zu wachsen. Bisher wurden über 500 Strategie- und Organisationsprojekte betreut. Zu den mehr als 250 Klienten gehören sowohl grosse, börsennotierte als auch zahlreiche mittelständische Unternehmen. Quelle ist auch Gastgeber des Internationalen Marken-Kolloquiums, dessen Schweizer Medienpartner das «KMU-Magazin» ist.