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Macher-Typologien: Welcher Managertyp sind Sie?

Regula Heinzelmann (Autor)

01.04.12 - 15:45

Was haben Ludwig XIV., Peter der Grosse und Jelzin gemeinsam? Sie sind jeweils der Prototyp eines Managers. Je nachdem, ob man eine Krise bewältigen, einen neuen Geschäftszweig entwickeln oder ein traditionelles Unternehmen führen muss, braucht man unterschiedlich ausgeprägte Führungskräfte. Was das konkret bedeutet und welcher Managertyp Sie selbst sind, das erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Aktiv mitmachen

Als Entwicklungs-Manager hat Peter bedeutende Leistungen vollbracht. Er festigte die russischen Grenzen und öffnete sie zugleich. Es gelang ihm, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen der damaligen Zeit im konservativen Russland zu etablieren.

Die Gründung von St. Petersburg war eine Paradeleistung für einen Entwicklungs-Manager. Immerhin musste man die Bevölkerung dazu bringen, in diesem sumpfigen Gelände eine neue Stadt zu bauen und die oberen Stände den Bau zu finanzieren. Auch wenn natürlich Zwangsarbeit geleistet wurde, erforderte das trotzdem eine gewaltige Motivation. Dazu
beigetragen hat sicher auch, dass Peter der Grosse beim Bau von St. Petersburg aktiv Hand anlegte. Er war dazu fähig, weil er sich als junger Mann handwerklich ausbilden liess. Dabei setzte er sich den gleichen Gefahren aus wie seine Arbeiter. Die medizinischen Möglichkeiten waren damals auch für Herrscher unzulänglich.

Dies ist bezeichnend für das Werk eines Entwicklungs-Managers. Nach seinem Tod wurde Peter der Grosse in Russland zu einer Idealfigur. Auch während der ganzen kommunistischen Zeit – sogar unter Stalin – wurde Peter der Grosse öffentlich verehrt.

Reformen um jeden Preis

Peter der Grosse beging auch typische Fehler der Entwicklungs-Manager. Er war ungeduldig und trieb die Entwicklung möglichst rasch voran, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und die Verhältnisse zu nehmen. Das war natürlich ein gewichtiger Grund für seine Unbeliebtheit. Peter bekämpfte alles, was seinen Reformen im Weg stand oder sie rückgängig machen wollte. Es ist eine Tatsache, dass Peter der Grosse kaum nach persönlicher Anerkennung oder Popularität strebte. Im Gegenteil, er war in grossen Teilen der Bevölkerung sehr unbeliebt. In orthodoxen Kreisen galt er wegen seinen westlich geprägten Reformen sogar als «Antichrist».

Der Krisen-Manager

Jelzin war ein Krisen-Manager. Er hatte die Aufgabe, in Zeiten raschester Wandlung eine Brücke über einen Abgrund zwischen zwei Staats- und Gesellschaftssystemen zu schaffen. Die Vergangenheit musste bewältigt und die Zukunft neu gestaltet werden. Auch Jelzin bewies Mut nach dem Gorbatschow-Putsch 1991 und unterstellte sich einem höheren Prinzip. So wie die Verhältnisse damals lagen, konnte er durch den Widerstand gegen die Putschisten durchaus sein Leben riskieren.

Im Gegensatz zu Ludwig und Peter dem Gros­sen identifizierte sich Jelzin nicht mit seinem Staat bzw. mit anderen gesellschaftlichen Institutionen, die in dem Moment im Wandel begriffen waren. Er wollte ein Prinzip realisieren, das von aussen kam, das es in seinem Land nicht gibt und auch vorher nie gegeben hatte, nämlich die Demokratie.

Ungeduldige Aktionen

Jelzin war wie viele Krisen-Manager ungeduldig und hatte die Neigung, Krisen möglichst rasch und auf Biegen und Brechen beenden zu wollen. Daraus resultierte eine gewisse Kompromisslosigkeit. Ähnlich wie Peter der Grosse wollte er Reformen um jeden Preis durchsetzen. Zugleich wollte er unbedingt das Staatsgebiet zusammenhalten, wie der Tschetschenienkrieg zeigte, der wohl sein grösster Fehler war. Vielleicht war die Parlamentsauflösung im September 1993 ein Fehler, vielleicht die Neuwahlen ein noch grösserer. Andererseits folgte das eine zwangsläufig aus dem anderen. Jelzin konnte nicht regieren mit einem Parlament aus dem vergangenen Regime. Er konnte aber auch nicht auf Dauer allein in rechtsfreiem Raum herrschen, schon gar nicht im Hinblick auf seine Nachfolge. Er war also gezwungen, das Volk um seine Meinung zu befragen. Die Wahlen im Dezember 1993 zeigten deutlich, dass man Demokratie nicht von oben anordnen kann, wenn schon muss sie vom Volk kommen.

Porträt

Regula Heinzelmann (Autor)

Juristin und freischaffende Journalistin

Regula Heinzelmann studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und arbeitet seit 1984 als selbstständige Autorin mit Schwerpunkt auf wirtschaftlichen und juristischen Themen. Für Unternehmen verfasst sie PR-Texte und Vertragsmuster. Die freischaffende Journalistin wohnt in Dietikon und lebt zeitweise in Berlin.