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KMU-Magazin Blog

Zu Tode verwalten

Michael Sommer

18.11.16
Der Bürokratismus wächst wie ein Geschwür. Die steuerfinanzierten Verwalter sollten jedoch wissen, dass sie durch die zunehmende Belastung von Unternehmen auch an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.

«Bürokratie («Herrschaft der Beamten») ist die Wahrnehmung von Verwaltungstätigkeiten im Rahmen festgelegter Kompetenzen innerhalb einer festen Hierarchie. Eine Übersteigerung der Bürokratie wird als Bürokratismus bezeichnet: eine bürokratisch überzogene Handlungsorientierung, welche die Vorschrift über den Menschen stellt und ihn weitgehend als Objekt behandelt.» So beschreibt Wikipedia einen Zustand, den eigentlich niemand will – ausser vielleicht diejenigen, die davon leben. Tatsächlich arbeiten die Verwalter in Bund und Kantonen fleissig daran, Bürokratismus – unter anderem durch Aufblähung des gesamten steuerfinanzierten Verwaltungsapparates – so mit Machtfülle zu verfeinern, dass es fast unmöglich ist, positive Veränderungen herbeizuführen. Die Bundesberner produzieren pro Jahr rund 6 500 Seiten neue Verordnungen und Gesetze, ohne dass Papiere und Verordnungen vernichtet werden. So ertrinken wir in einem Bürokratismus, der Probleme schafft, anstatt sie zu lösen.

Betroffen sind vor allem KMU. Als wäre es nicht schwierig genug in einem Umfeld zu agieren, das wesentlich von Komplexität und Dynamik gekennzeichnet ist. Internationalisierung der Geschäftstätigkeit, verkürzte Produktlebenszyklen, informationstechnische Innovationen und Diskontinuitäten, Pluralisierung der Lebensstile und Wertewandel sind nicht die einzigen Herausforderungen. Zu schaffen macht vor allem auch die Euro-Talfahrt und die daraus gewachsenen Probleme eines starken Franken. Zur Erinnerung: Der Eurokurs EUR/CHF lag am 1. Januar 2002 (Eröffnungskurs) bei 1.48 Franken und erreichte im Oktober 2010 sogar 1,68; heute dümpelt er bei 1,07.

Solcherlei Hürden dringen jedoch nicht in Politikerköpfe vor. Nicht anders ist das zu erklären, was der Nationalrat als Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative beschlossen hat. Man muss die Initiative nicht mögen, um der Meinung zu sein, dass hier ein Abstimmungsergebnis grob missachtet wird. Ob der Nationalrat mit seinem Verfassungsbruch auch einen Dammbruch fördert, der die direkte Demokratie aushebelt, wird die Zukunft zeigen. Fest steht jetzt schon, dass es wieder vor allem Unternehmen sind, die unter politischer Realitätsferne und damit verbundenem Bürokratismus leiden werden. So sieht eine Verschärfung des «Inländervorrang light» vor, dass Unternehmen offene Stellen nicht nur melden, sondern auch Schweizer Bewerber einladen und deren Ablehnung gegebenenfalls begründen müssen.

Anders als der Soziologe Max Weber Anfang des 20. Jahrhunderts in seinem Werk «Wirtschaft und Gesellschaft» Bürokratie als moderne, leistungsfähige Struktur von Wirtschaft und Verwaltung beschrieb, ist Bürokratie heute zu einem Synonym für Ineffizienz und Innovationshemmnis verkommen.