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Strategie & Management
Führungsleitlinien für den Mittelstand (Teil 1von 2)

Führungskräfte sind immer Vorbilder, ob sie das wollen oder nicht

Hans P. Blatter (Autor)

01.10.10 - 14:45

Das Führen eines Unternehmens wird immer anspruchsvoller und es werden immer wieder neue Methoden präsentiert, davon viele mit wissenschaftlichem Anspruch. Andere streben nach Kreativität oder erklären ein spezielles Thema zur allein selig machenden Aufgabe im Unternehmen. Natürlich gibt es wichtigere und weniger wichtige Aufgaben, entscheidend aber ist das Zusammenspiel und die Konzentration auf das Wesentliche.

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Schriftlich fixieren

Einzigartigkeit und Kernkompetenzen schützen KMU genauso wie grosse Unternehmen vor der totalen Austauschbarkeit der Produkte und Dienstleistungen (und ihren Folgen). Die Wahl einer richtigen Strategie, die bewusste Pflege von besonderen Stärken ist von substanzieller Bedeutung und wird leider bei vielen KMU vernachlässigt. Die Entwicklung einer Strategie setzt eine systematische Analyse der internen und externen Gegebenheiten voraus, vor allem der (aktuellen und zukünftigen) Kundenbedürfnisse und der eigenen Stärken, die mit diesen Kundenbedürfnissen zur Deckung gebracht wird. Die Strategie muss schriftlich fixiert und auf Abteilungen und Teams heruntergebrochen werden. Ihre Umsetzung wird ohne adäquate Information der Mitarbeitenden und ohne deren Einbezug nicht gelingen. Fehlendes strategisches Vorgehen kann unter Umständen durch zusätzliche Anstrengungen teilweise kompensiert werden. Diese Realität dürfte eine der Ursachen der Arbeitsverdichtung sein (mehr in gleicher Zeit, Leistungssteigerung). Aber nachhaltig erfolgreich kann ein Unternehmen nicht bleiben ohne griffige Strategie.

Konzentration der Mittel

Ein wichtiger, allgemeingültiger strategischer Grundsatz ist die Konzentration der Mittel. Er ist dem Vokabular des Kriegshandwerks entliehen, wo der Gegner mit möglichst grosser Wucht dort angegriffen wird, wo er am schwächsten ist. Dieser Ansatz kann für das Verhalten eines Unternehmens im Markt sinngleich angewandt werden, indem die eigenen Stärken dort ausgebaut und eingesetzt werden, wo die Hauptkonkurrenten schwächer sind. Dieser Leitgedanke gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil Konzentration auf weniges im modernen Wirtschaftsumfeld (mit der Tendenz zur Verzettelung) schwierig geworden ist und gerade deshalb besondere Beachtung verdient.

Konzentration auf das Wirksame (Wesentliche) setzt Analyse und Kenntnis der Ursachen und ihrer Wirkungen voraus. Gefordert ist Überblick über das Ganze, mit der nötigen Distanz und mit Weitblick. Geschäftsleiter von KMU sind aber tagtäglich mit operationellen Tätigkeiten konfrontiert, die Nähe zu den Aufgaben erfordert, die gelöst werden müssen. Sie sind deshalb nur schwer in der Lage, zeitgleich strategisch zu denken und zu handeln. Ein Cockpit – das strategisches Verhalten im Tagesgeschäft festlegt und dies in Form konkreter Ziele fordert – kann Führungspersonen und Mitarbeitende zum richtigen Handeln anleiten und die Führung entlasten. Strategische Ziele werden so zu jedermanns täglichem Job.

Pims (Profit Impact of Market Strategy) ist weltweit die grösste Datenbank zur Analyse der Wirkung von Strategien. Sie weist auf die entscheidenden Elemente hin und zählt u.a. folgende Erfolgsfaktoren auf:

  • Marktstellung (für KMU ist der Massstab die Kundenzufriedenheit, -bindung)
  • Produktivität
  • Attraktivität für gute Mitarbeitende
  • Innovationsleistung
  • Ertragskraft (als Garant für längerfristiges Überleben)
  • Cashflow und Liquidität

Diese Erfolgsfaktoren machen zwei Drittel des Erfolgs aus. Das übrige Drittel ist dem Umfeld zuzuschreiben, welches sich dem Einfluss des Unternehmens grösstenteils entzieht.

Porträt

Hans P. Blatter (Autor)

Strategie- und Nachfolgeberater, Coach

Hans P. Blatter ist Mitglied bei Adlatus, einem Netzwerk erfahrener, ehemaliger Führungskräfte und Spezialisten. Adlaten sind praxiserfahren, nicht mehr im aktuellen Tagesgeschäft tätig und arbeiten schlank in Honorar und Stunden. Das Adlatus-Netzwerk verfügt über Spezialisten zur Lösung für die KMU-Nachfolgeregelung.

Serie

Die Teile der Serie «Führungsleitlinien für den Mittelstand (von Hans P. Blatter)» erscheinen wie folgt: