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Strategie & Management
Durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich sein (Teil 5 von 8)

Erfolgsfaktoren ganzheitlicher Unternehmensführung

Werner von Allmen (Autor)

01.04.12 - 09:15

Das EFQM-Excellence-Modell ist heute in Europa die meistverbreitete Methode, die nachweisbar zur nachhaltigen Verbesserung der Wettbewerbsstärke führt. EFQM ist kein Rezept mit Erfolgsgarantie, sondern eine Annäherung an die perfekte Unternehmensführung. Im fünften Teil beschäftigen wir uns mit dem Grundkonzept «Durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich sein».

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«Erfolg generieren!»

Führungskräfte glauben oft, die Bedürfnisse und Anliegen ihrer Mitarbeitenden zu kennen und diese im Grossen und Ganzen auch zu erfüllen. Sie gehen davon aus, dass die Ziele der Mitarbeitenden mit denen der Organisation weitgehend übereinstimmen. Ein sehr rationaler Denkansatz, der wohl in den wenigsten Unternehmen der Wirklichkeit entspricht. Der Denkfehler besteht in der konsequenten Gewinn- und Leistungsorientierung. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn Gewinn die Folge einer sinnvollen Tätigkeit ist, die Bedürfnisse der wichtigsten Interessengruppen berücksichtigt werden und ein Nutzen für die Gesellschaft als Ganzes entsteht. Mitarbeitende wechseln ihre Stelle nicht in erster Linie, weil sie die ungünstigen Arbeitsbedingungen, eine unliebsame Tätigkeit, ein etwas tieferer Lohn oder ein längerer Arbeitsweg stört, sondern wegen fehlendem Sinn in der Arbeit, Mangel an Anerkennung und Akzeptanz oder einem inkompetenten Vorgesetzten, der seine Verantwortung nicht wahrnimmt. Der US-General Colin Powell sagte in diesem Zusammenhang «people go to work to succeed». Wie im Teil 3 «Mit Vision, Inspiration und Integrität führen» («KMU-Magazin» 1/2012) bereits eingehend besprochen, sind Führungskräfte für die Gestaltung einer menschenfreundlichen Kultur, dem Einbezug der Mitarbeitenden und für den Erfolg jedes Einzelnen verantwortlich.

Die RWD Schlatter AG ist Marktleader im Bereich hochwertiger Türen in der Schweiz. Das Unternehmen wurde in den letzten Jahren mehrfach für seine Mitarbeiterergebnisse ausgezeichnet, so zum Beispiel 2009 mit dem «CASH Arbeitgeber Award». CEO Roger Herzig meint zu diesem Thema «Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die Unternehmenskultur der wichtigste Erfolgsfaktor in einem Unternehmen ist. Wir gehen so weit, dass wir sagen: Überdurchschnittliche Produkte und Dienstleistungen sind ein Abfallprodukt einer überdurchschnittlichen Unternehmenskultur. Dafür muss man etwas tun! Unsere Palette an Instrumenten reicht von komplett flexibilisierten Arbeitszeitmodellen bis hin zu einer fokussierten Gesundheitsförderung.»

Menschen wollen erfolgreich sein. Es gibt wohl kaum einen grösseren Treiber für Motivation als Erfolg und damit für Höchstleistungen. Ein Sprichwort sagt «Erfolg macht erfolgreich!». Es ist kein Zufall, dass Spitzensportler nach einem ersten Sieg eine ganze Serie von Bestleistungen zeigen. Menschen wachsen an Erfolgen, gewinnen Selbstvertrauen und wachsen nicht selten über sich hinaus. Erfolg ist direkt mit Anerkennung verbunden, dem Gefühl wahrgenommen zu werden und wichtig zu sein. Führungskräfte, die diese Zusammenhänge erkennen, führen mit Anerkennung und Wertschätzung. Sie kostet nichts, nur gesunden Menschenverstand, ein positives Menschenbild und die ehrliche Absicht, Mitarbeitende beim Erreichen ihrer persönlichen und beruflichen Ziele unterstützen zu wollen.

Mehrwert schaffen

Erstaunlicherweise ist die wertschätzende Führung nicht weit verbreitet. Mitarbeiterbefragungen zeigen deutlich, dass die grössten Potenziale in diesem Bereich in der Führung liegen. Bei dieser Gelegenheit weise ich auf zwei Bücher hin. Das eine mit dem Titel «Wertschätzende Führung» von Dr. Thomas Troger, Direktor der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung SPV. Das Werk beschäftigt sich eingehend mit der Thematik und ist ein praxisnaher Leitfaden für die Entwicklung einer entsprechenden Führungskultur. Das andere «Mythos Motivation» von Reinhard K. Sprenger. Ein meisterhafter Autor, der in seinem Werk provokative Thesen für den Führungsalltag diskutiert. Die Selbstständigkeit, das Engagement und die Eigeninitiative der Mitarbeitenden zu entwickeln, ist eine anspruchsvolle Führungsaufgabe. Vorgesetzte müssen Ängste abbauen, nicht mehr in allen Disziplinen besser als ihre Mitarbeitenden zu sein, Fehler zu machen und ab und zu Fehlentscheidungen zu treffen. Vorgesetzte sind ein wichtiger Teil eines Teams. Wenn Führungskräfte nicht in erster Linie nach ihrer Fach-, sondern nach der Führungs- und Sozialkompetenz sowie an der Zielerreichung ihrer Mitarbeitenden gemessen werden, entsteht Mehrwert für alle Beteiligten und die Chance, die Ziele der Organisation mit denen der Mitarbeitenden in Einklang zu bringen.

Porträt

Werner von Allmen (Autor)

Geschäftsleiter

Werner von Allmen ist Gründer und Geschäftsleiter des Swiss Excellence Forum sowie Autor verschiedener Bücher und Artikel im Bereich Excellence. Auf der Kombination der Themenschwerpunkte Business Excellence, Personal Excellence und Business Ethics ist die Organisation ein Netzwerk und Think Tank. Das Swiss Excellence Forum spricht Persönlichkeiten an, die auf der Basis ihrer Werte Vorbild sind, Verantwortung übernehmen und einen aktiven Beitrag an die Gesellschaft als Ganzes leisten.