Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Mensch & Arbeit
Betriebliche Gesundheitsförderung

Leistungsfähigkeit und Gesundheit gezielt und dauerhaft erhalten

Prof. Dr. Andreas Krause (Autor)

01.05.10 - 14:15

Erfolgreiche KMU setzen auf leistungsbereite, selbstständig handelnde und mitdenkende Kader und Mitarbeitende. Höhere Flexibilitätsanforderungen und zunehmende Konkurrenz am Markt führen dazu, dass diese Kader und Mitarbeitenden phasenweise über ihrer Leistungsgrenze arbeiten. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) verhindert negative Auswirkungen und erhält die Leistungsfähigkeit.

Tabs

Seite 4

Analyse wird unterschätzt

Die Unterstützung durch die Geschäftsleitung entscheidet über den BGF-Erfolg. Deshalb steht in dem von Gesundheitsförderung Schweiz entwickelten Angebot «kmu-vital» ein Einstiegsworkshop am Anfang (www.kmu-vital.ch): Die zentralen betrieblichen Entscheidungsträger kommen überein, welches Vorgehen zum eigenen Betrieb passt und von allen getragen wird. Auch die Zielstellung gilt es zu klären: Was genau soll in einem überschaubaren, definierten Zeitraum erreicht werden? Im nächsten Schritt sollte eine Analyse unter Beteiligung der Beschäftigten angestrebt werden. Bei «kmu-vital» werden Fragebögen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Auch andere Herangehensweisen, zum Beispiel eine gut vorbereitete Gruppendiskussion (Focusgruppe) oder Betriebsbegehungen können für einzelne Unternehmen passender sein. Leider wird die Bedeutung der Analyse bisweilen unterschätzt, doch die Qualität der Massnahmen und ihre spätere Wirkung auf die Mitarbeitenden und den Betrieb hängen davon ab, ob in der Analysephase die Besonderheiten des Betriebs offen und deutlich zum Vorschein kommen. Neben «kmu-vital» bestehen weitere Unterstützungssysteme. So stellt die Suva online gratis Informationsmaterial zur Verfügung, beispielsweise Checklisten zur Durchführung von Analysen. Einige Krankenversicherer vermitteln ihren Firmenkunden Angebote zum Absenzenmanagement und zur Gesundheitsförderung. So beschäftigt Helsana speziell ausgebildete Gesundheitsmanagerinnen und -manager, die für die individuelle Beratung der Firmenkunden rund um betriebliche Gesundheitsförderung zuständig sind und bei Bedarf auch Schulungen und Workshops vor Ort im Betrieb durchführen (Helsana Business Health).

Kompetenzen aufbauen

Solche Unterstützungssysteme gilt es zu nutzen, da sie die Umsetzung von BGF im Betrieb erleichtern. Gleichwohl sollten auch im einzelnen Betrieb BGF-Kompetenzen vorhanden sein: Nur so gelingt es, Gesundheit und Leistungsfähigkeit dauerhaft und nachhaltig in die Bearbeitung zu bringen. Auch wenn in kleineren Betrieben keine Person speziell für Gesundheitsförderung eingestellt werden kann, ist es notwendig, dass eine interne Person die Aktivitäten fortlaufend koordiniert, den Überblick behält und ein Versanden erster Aktivitäten verhindert. Das Ausmass hierfür notwendiger Stellenprozente hängt von der Grös­se und der Zielstellung des Betriebs ab. Diese Funktion eines «Gesundheitsbeauftragten» kann bei einer besonders engagierten Führungskraft liegen, bei einer für Personalfragen zuständigen Person oder einer Fachperson, die sich bereits mit Arbeitssicherheit befasst. Die Qualifizierung für diese Funktion kann im Zertifikatslehrgang «CAS Betriebliches Gesundheitsmanagement: Die Gesundheit als wirtschaftlichen Erfolgsfaktor sichern» an der Hochschule für Angewandte Psychologie in Olten erworben werden.

Insbesondere für kleine und mittlere Unterneh­men ist entscheidend, für die Umsetzung von BGF Schwerpunkte zu setzen und diese mit Ausdauer konsequent zu verfolgen. In der Grafik auf Seite 60 sind 15 Handlungsfelder enthalten, die verschiedene Herangehensweisen und mögliche Schwerpunkte aufzeigen.

Umsetzung variiert

Während in einem Betrieb Unfallverhütung und Arbeitssicherheit im Vordergrund stehen (Handlungsfeld 1), werden in einem anderen Betrieb neue Arbeitszeitregelungen vereinbart (Handlungsfeld 12), systematisch Ursachen für Fehlzeiten betrachtet und auch mit Mitarbeitenden besprochen (Handlungsfeld 10) oder Führungskräfte unterstützt, einen wertschätzenden Austausch mit ihren Mitarbeitenden zu pflegen (Handlungsfeld 14). Andere Betriebe setzen stark auf die Förderung von Bewegung und gesunde Verpflegung, etwa indem Schrittzähler verteilt und Wasserspender aufgestellt werden (Handlungsfeld 7), oder optimieren die Arbeitsabläufe unter Beteiligung der Mitarbeitenden («Verhältnisprävention», Handlungsfeld 9). Die Vielzahl möglicher Handlungsfelder wird nicht komplett von einem einzelnen Betrieb umgesetzt, sondern je nach Zielstellung und Ausgangslage passend festgelegt. Die Unternehmen durchleben gleichwohl typische Phasen, wenn sie über mehrere Jahre hinweg aktiv Betriebliche Gesundheitsförderung betreiben (siehe Grafik Seite 61).

Porträt

Prof. Dr. Andreas Krause (Autor)

Dozent

Prof. Dr. Andreas Krause ist Experte für Arbeit und Gesundheit und Programmleiter CAS Betriebliches Gesundheitsmanagement. Er arbeitet an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW.