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Interviews
Interview mit Hans-Jörg Mihm

«Wachstum ist sinnvoll, aber nicht das entscheidende Kriterium»

Prof. Max W. Twerenbold (Autor), Hans-Jörg Mihm

28.01.16 - 18:30

Hans-Jörg Mihm, CEO und VR-Delegierter der Extramet AG, über die Rolle seines Familienbetriebs als Premium-Lösungspartner der Hightechindustrie, Wettbewerbsvorteile gegenüber internationalen Konzernen und Nachhaltigkeit als Bestandteil der Unternehmenskultur.

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Welches Gewicht messen Sie dem Wachstum bei?
Wachstum ist sinnvoll, es ist aber nicht das entscheidende Kriterium. Auf dem Weg zu nunmehr 50 Millionen Franken Umsatz haben uns widrige Lagen wie Golfkrieg, 9/11, Finanzkrise und andere nicht in die Knie gezwungen. Wir haben trotzdem investiert, in die Zukunft geplant, uns vergrössert. In der Finanzkrise mussten wir niemanden entlassen, obwohl auch Extramet voll getroffen wurde. Aber wir haben das durchgestanden und die Zeit genutzt für sinnvolle Veränderungen.

Extramet signalisiert im Logo Swissness. Worauf bezieht sich das?
Die Kunst, Hartmetall herzustellen, liegt nicht nur in dem, was das Produkt ausmacht, sondern in der Kunst, dem Kunden Lösungen für seine Anwendungen zu erbringen. Dabei sind wir mit unseren Materialien offen für neue Anwendungen und wirken mit beim Finden von neuen Feldern. Wir bewegen uns als kleinerer Anbieter im Premiumsegment. Um die Wettbewerbsfä­higkeit zu erhalten, müssen wir als Schweizer Unternehmen Qualität auf dem höchsten Level erbringen. Extramet stellt unter anderem das weltweit beste Substrat für diamantbeschichtete Werkzeuge her. Das hohe Leistungsversprechen bedingt, dass alle Prozesse optimiert sind. 1996 bereits haben wir das mit der SQS-Zertifizierung nach ISO 9001 dokumentiert. Im Jahr 2004 erlangten wir das Umwelt-Zertifikat ISO 14 001 und das Zertifikat OHSAS 18 001 für Arbeitssicherheit. Das ist für uns wegleitend. Die Sache hat sich bewährt. Die Gespräche mit den Auditoren erfahren wir als Austausch unter Fachleuten. Das bringt uns weiter. Wir sind immer auf dem neuesten Stand.

Ihr Werk ist im idyllischen Plaffeien (FR) eingebettet. Bestehen da noch Ausbaumöglichkeiten?
Mit der jüngsten Erweiterung im Jahr 2008 haben wir auch einen optimalen Prozessdurchlauf realisiert. Das gewachsene Kreuz und Quer wurde in eine Flussplanung gewandelt. Die logische Abfolge: Rohwareneingang, Pulveraufbereitung, Presserei, Vorsinterei, Zwischenkontrolle, Formgebung, Sinterhalle, Endkontrolle, unterirdische Verbindung zum Neubau, Schleiferei, Spedition, Administration, Konferenzräume, Cafeteria. Die reine Hartmetallfertigung muss zusammenbleiben, die Schleiferei, also Veredelung, kann separat sein. Ein Ausbau ist möglich, aber die Zeit kommt uns entgegen, denn neue Technologien benötigen immer weniger Platz. Auch von den Gebäulichkeiten her sind wir für die Zukunft gut aufgestellt.

Porträt

Hans-Jörg Mihm

CEO, VR-Delegierter

Unternehmer Hans-Jörg Mihm leitet das Familienunternehmen Extramet AG in Plaffeien (FR) als CEO und VR-Delegierter seit 2003 in der zweiten Generation. Der Hartmetallhersteller mit internationaler Reputation im Hightechsektor erbringt mit rund 200 Mitarbeitenden einen Umsatz von über 50 Millionen Franken. 80 Prozent der Produktion gehen in den Export. Neben einer Tochtergesellschaft in den USA bestehen Vertriebsleitungen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien.