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Interviews
Interview mit Lars Rominger

«Jemand, der für alles offen ist, ist auch nicht ganz dicht»

Regula Heinzelmann (Autor), Lars Rominger

01.05.16 - 13:30

Lars Rominger, Head of Operational Excellence bei der Gerresheimer Küssnacht AG, Inhaber der Rominger Kunststofftechnik GmbH und Erfinder, über die Entwicklung innovativer Ideen, den Schutz geistigen Eigentums und eigenwillige Werbemethoden.

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Wo lassen Sie Ihre Produkte herstellen?

Wenn irgendwie möglich, in der Schweiz. Meist über Joint-Venture-Strukturen. In der Regel existiert bereits ein geeignetes «Gefäss» beziehungsweise Unternehmen, das die Produktion übernehmen kann, bestenfalls auch gleich den Vertrieb. Mein Leitgedanke: Lieber ein grosser Markt als eine grosse Firma.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb im Ausland?

In der Regel über ausländische Geschäftspartner, die bereits über etablierte Distributionskanäle für ähnliche Produkte verfügen und andere Kooperationsformen, zum Beispiel mit der Semadeni AG, Ostermundigen, die in Europa produziert. Wir bieten unsere Produkte international an.

Sie haben interessante Werbemethoden. Was haben beispielsweise Miss-Wahlen mit Ihren Erfindungen zu tun?

Der Tiefgang von Erfindungen interessiert die meisten Medien nicht; deswegen machen wir scheinbar oberflächliche Schauen, wie Missen- und Botschafterinnen-Wahl. Teilweise werden diese Wahlen auf klassische Art durchgeführt, jedoch mit den Zusatz-Attributen Kreativität, Innovation, Inspiration, Wissenschaftsdrang und Charisma. Die «Miss Swissplastics»-Wahlen waren aufgrund der Emotionalisierung der Innovationen einerseits umsatzfördernd, andererseits aber auch gewöhnungsbedürftig. Es rief auch Feministinnen auf den Plan; deswegen haben wir den alt Kantonsrat, Schriftsteller und Präsident des Tüftellabors Zug, Thomas Brändle, zum Botschafter und Mr. Swisstechnik ernannt. Grundsätzlich verstummten jedoch spätestens nach den ersten erfolgreichen Innovationen die kritischen Unkenrufe. Im Gegenteil, die Strategien werden zwar immer noch als aussergewöhnlich, doch gleichzeitig auch als hochinnovativ und effektiv gesehen.

Herr Rominger, eine ganz andere Frage: Wie beurteilen Sie das Verhältnis der Schweiz zur EU?

Die Konstellation bleibt spannend, natürlich nicht nur weil die Schweiz zwar im Herzen Europas liegt, aber nicht Mitglied der Europäischen Union ist. Die Strategie der Weiterverfolgung des bilateralen Weges mit der EU, dem wichtigsten H andelspartner der Schweiz, ist aus meiner Sicht zu befürworten. Mit der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative der SVP, die sich gegen die Personenfreizügigkeit richtet, wurde das bilaterale Verhältnis nicht gefördert. Es wird keine leichte Aufgabe bleiben, das bereits schon angespannte Verhältnis der Schweiz zur EU schlüssig zu erklären.

Wie stellen Sie sich als Unternehmer zum Flüchtlingsproblem? Würden Sie Flüchtlinge beschäftigen, deren Ausbildung nicht unserem Standard entspricht?

Wenn Menschen bereit sind zu lernen, können auch weniger gut ausgebildete Leute wertvoll eingesetzt werden. Bei der Serienproduktion ist zum Beispiel Verlässlichkeit wichtiger als Schulbildung. Auf die Motivation kommt es an.

Bedeutet das auch, dass die Schulbildung nicht so wichtig ist, wie man immer denkt?

Für die Entwicklung brauchen wir natürlich qualifizierte Mitarbeitende. In der Schule sollte man auf Stärken achten, statt auf Schwächen herumzureiten. Mit einer Gesamtschule könnte man Talente fördern, wenn man nicht nur Teilbereiche abdeckt. Ich bin dafür, Zusammenhänge zwischen den Fächern herzustellen. Durch die Klassifizierung wird man zu Einzelkämpfern ausgebildet und später braucht es Kurse über Zusammenarbeit. Natürlich muss man von den Schülern auch Leistung fordern, sonst lernt man nicht, ein Projektziel zu erreichen.

Porträt

Lars Rominger

Inhaber, Head of Operational Excellence

Lars Rominger arbeitet als Head of Operational Excellence in der Gerresheimer Küssnacht AG und leitet die Firma Rominger Kunststofftechnik GmbH. Er absolvierte verschiedene Studien und besitzt Abschlüsse als Kunststofftechnologe EFZ, Chemielaborant EFZ, Kunststofftechnik HF, Ingenieur- und Chemiestudium sowie ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft FH und ein Executive-Master-Diplom in Corporate Management. Seit 2003 arbeitet er nebenberuflich als Lehrbeauftragter und Diplomleiter an verschiedenen Schulen der Tertiärstufe für verschiedene Fächer der Chemie sowie Innovationsmanagement, BWL, Marketing und Unternehmensgründung und schrieb verschiedene Fachbücher und offizielle Lehrmittel.