Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Interviews
Interview mit Hans-Olaf Henkel

«Die EU muss attraktiver für die Schweiz werden»

Regula Heinzelmann (Autor)

01.03.14 - 14:45

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger IBM Europa-Chef, langjähriger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und Kandidat der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) über die Europolitik der EU, die Intoleranz gegenüber Eurokritikern und mögliche Voraussetzungen für einen EU-Beitritt der Schweiz.

Tabs

Seite 4

Wohlstand war immer mit Wachstum verbunden. Kann es ein endloses quantitatives Wachstum geben angesichts der beschränkten Ressourcen?

Ich halte gar nichts von den esoterischen Thesen, dass man Wohlstand schaffen könne ohne Wachstum. Das ist wie in der Natur bei jedem Lebewesen, wenn man aufhört zu wachsen, beginnt der langsame Zerfallprozess. Ein Beispiel ist meine Branche, die Informationstechnik. Man kann Software unendlich oft kopieren. So schafft man viel Wachstum ohne hohen Ressourcenverbrauch.

Welche Branchen haben besondere Erfolgschancen in Deutschland und der Schweiz?

Da fallen mir die klassischen Antworten ein. In beiden Ländern werden sich der Maschinenbau, die Automobil-, bzw. in der Schweiz die Zulieferindustrie, sowie die pharmazeutische und die chemische Industrie auszeichnen. In der Schweiz und in Deutschland besteht ein sehr starker familienorientierter Mittelstand, der in der Lage ist, komplexe Zusammenhänge zu integrieren. Relativ kleine Unternehmen können global agieren.

Müsste man nicht dafür sorgen, dass der Mittelstand nicht mehr von oben und unten bedrängt wird?

Wenn man die Schweiz und Deutschland ruinieren will, muss man den Mittelstand piesacken. Leider gibt es in beiden Ländern Tendenzen dazu. Das wird zum Beispiel in Deutschland durch die Energiewende gemacht und in der Schweiz durch absurde Volksbegehren wie die 1 zu 12-Initiative oder die Initiative für das Grundeinkommen.

Herr Henkel, eine letzte Frage: Wie würden Sie ein Vermögen investieren?

Ich gebe grundsätzlich keine Investitionsempfehlungen. Ich bin aber gern bereit, zu sagen, wie ich selber investiere. Ich habe in zwei Immobilienprojekte in Hamburg und in München investiert und mir eine Immobilie in der Schweiz zugelegt. Ich habe einen grossen Teil meines Barvermögens bei einer Schweizer Kantonalbank angelegt, auch wenn es dafür keine Zinsen gibt, weil mir für die Zukunft die Schweizer Banken einfach sicherer erscheinen als die Banken im Euroraum. Einen Teil meines Geldes habe ich in Norwegen angelegt. Weiter investiere ich in deutsche Aktien, aber nur in solche, die eine relativ geringe Abhängigkeit vom Euro aufweisen. «