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Forschung & Entwicklung
Unternehmensführung (Teil 2 von 2)

Zeit für einen Paradigmenwechsel

Prof. Dr. Roland Waibel (Autor)

22.03.17 - 00:30

Die Betriebswirtschaftslehre ist immer noch geprägt von einem antiquierten Menschenbild. Gute Unternehmensführung im 21. Jahrhundert bedingt allerdings ein neues Paradigma. Was damit gemeint ist und warum Unternehmensführung eine systemische Perspektive braucht, beschreibt dieser zweiteilige Beitrag.

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Führung als Systemgestaltung

Die sieben genannten Prinzipien guter Unternehmensführung im 21. Jahrhundert werden hier quasi im Zusammenspiel erkennbar: Die Führungsperson ist in der Pflicht zur Vorleistung – ihre Aktionen wirken nach, beeinflussen die Gegenleistungen der Mitarbeitenden und ergeben Mehrrundeneffekte. Im Zentrum der Beziehung steht der unsichtbare implizite Vertrag, das Grundmomentum basiert auf Reziprozität. Eine Partnerschaft ist durch ein offenes Visier, guter Glaube und Manipulationsverzicht geprägt.

Unsere Sprache kennt viele Ausdrücke für das tief in uns verankerte Verhaltensmuster der Reziprozität: «Wie du mir, so ich dir»; «quid pro quo», sagte Hannibal Lecter zu Clarice Starling, weil dies schon ein römisches Rechtsprinzip war, und davor im Kodex des Hammurabi festgehalten. «Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.»

Die sieben Prinzipien entsprechen dem Bild der Führung als Systemgestaltung. Dies geschieht durch Schaffen eines günstigen Rahmens, welcher einen Engelskreislauf entfaltet, statt dass mit der Person einzeln gearbeitet wird (zum Beispiel durch Motivieren, Kommandieren, Gängeln …). Die sieben Prinzipien geben Anregungen für eine günstige Gestaltung des Systems.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Unternehmensführung im 21. Jahrhundert braucht einen neuen Fokus, nämlich den der systemischen Perspektive. Während im 20. Jahrhundert ein reduziertes mechanistisches Menschenbild vielleicht noch adäquat war, ist in der Wissensgesellschaft des aktuellen Jahrhunderts dies sicher nicht mehr passend. Der Mensch ist weder ein homo oeconomicus noch ein Pawlow’scher Hund oder ein dressiertes Zirkuspferd. Jeder Mensch ist ein komplexes Wesen, welches sich auf das ihn umgebende System ausrichtet. Sind die Systembedingungen wohlwollend, wird es auch das menschliche Verhalten sein – jene Unternehmen, die dies verstanden haben und dies wirkungsvoll umzusetzen wissen, werden die Gewinner des 21. Jahrhunderts sein.

Porträt

Prof. Dr. Roland Waibel (Autor)

Dozent

Prof. Dr. Roland Waibel ist Professor für Betriebswirtschaft an der FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, und leitet dort das Institut für Unternehmensführung.

Serie

Die Teile der Serie «Unternehmensführung von Prof. Dr. Roland Waibel» erscheinen wie folgt: