Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Forschung & Entwicklung
Unternehmensführung (Teil 1 von 2)

Zeit für einen Paradigmenwechsel

Prof. Dr. Roland Waibel (Autor)

15.02.17 - 00:45

Die Betriebswirtschaftslehre ist immer noch geprägt von einem antiquierten Menschenbild. Gute Unternehmensführung im 21. Jahrhundert bedingt allerdings ein neues Paradigma. Was damit gemeint ist, beschreibt dieser zweiteilige Beitrag.

Tabs

Seite 4

Mensch als Individuum

Wichtig ist es, den Menschen nicht nur volkswirtschaftlich als Produktionsfaktor, also quasi als lebende Maschine, zu sehen, sondern als «Human Being», als Individuum, als einzelne Person, die sich mit vielem, was sie hat, tagtäglich am Arbeitsplatz bemüht. Wertschätzung heisst, dem einzelnen Menschen gerecht zu werden, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Das impliziert auch Reibung und Konflikte, wir müssen uns nicht alle gern haben, eine Firma ist keine Kuschelfabrik, es dürfen ruhig auch einmal die Fetzen fliegen, sofern die Regeln des Anstandes gewahrt bleiben.

Es ist wie in einer Schulklasse: Für den Lehrer das Schlimmste sind nicht zu viele störende Schüler, das Schlimmste ist ein echoloser Raum. Genauso geht es den Mitarbeitenden: Das Verstörendste ist, nicht wahrgenommen, ignoriert, nicht anerkannt zu werden. Worauf springt unser Motivationssystem am stärksten an? Es ist nicht der gute Lohn. Aus der Perspektive der drei menschlichen Hauptmotivatoren Zugehörigkeit, Leistung und Macht lässt sich folgern: Arbeit findet in einem sozialen Rahmen statt, wir können viele soziale Motive befriedigen und ebenso unseren Leistungsdrang ausleben.

Die Übersicht (siehe Box) zeigt die Be­fragungsergebnisse von 1000 Schweizern aus einer aktuellen Studie von Ernst & Young: Die sozialen Beziehungen und eine Tätigkeit, bei der wir «Mastery» erleben können, die wir also gut können und bei der wir herausgefordert werden, sind mit grossem Abstand die wichtigsten Motivatoren. Ein guter Lohn kommt mit deutlichem Abstand erst an vierter Stelle.

In vielen Studien werden diese Ergebnisse immer und immer wieder bestätigt: Viel wichtiger als der Lohn oder die Karrie­rechancen sind die Arbeitsinhalte und das soziale Umfeld. Im Gegenzug wissen wir, dass ein schlechtes Arbeitsklima, eine fehlende Wertschätzung, und der fehlende kollegiale Zusammenhalt oder gar Mobbing Motivationskiller sind sowie krank machen.

Porträt

Prof. Dr. Roland Waibel (Autor)

Dozent

Prof. Dr. Roland Waibel ist Professor für Betriebswirtschaft an der FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, und leitet dort das Institut für Unternehmensführung.

Serie

Die Teile der Serie «Unternehmensführung von Prof. Dr. Roland Waibel» erscheinen wie folgt: