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Forschung & Entwicklung
KMU-Internationalisierungsstudie 2014

Eine Frage von Intuition und Vertrauen

Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich (Autor), Prof. Dr. Claus Schreier (Autor), Jie Gong (Autor)

01.04.14 - 09:45

Gemeinsam mit der Hochschule Luzern hat das «KMU-Magazin» untersucht, auf welchen Grundlagen KMU-Chefs ihre Entscheidung zur Internationalisierung treffen. Die Ergebnisse und Auswertungen der Umfrage liegen nun als Studie vor, die bei den Autoren kostenlos erhältlich ist. Nachstehend eine exklusive Zusammenfassung.

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Ein bisschen Zufall?

Ob Zufall oder nicht, die Erkenntnis scheint, dass man sich aufgrund eines spezifischen Kontextes internationalisiert hat, in dem man sich gerade befindet: Weil Geschäftspartner bereits internationalisiert sind, internationalisiert man auch. Weil Geschäftspartner oder Unternehmen des eigenen Netzwerks in bestimmten Ländern Erfolg haben, wagt man selber auch den (gleichen /ähnlichen) Versuch. Die Internationalisierung wird so, im ursprünglichen Sinne des Wortes, zur so­­zialen Frage, respektive geschieht aufgrund einer gewissen sozialen Dynamik. Das muss man nicht zwangsläufig als Zufall beschreiben – man kann es aber entsprechend titulieren.

Potenziale gezielter nutzen

Zusammenfassend kann auf Basis der vorliegenden Untersuchung unterstellt werden, dass die intuitiven, vertrauens­orientierten und netzwerkbasierten Faktoren (wie Kompetenzen /Fähigkeiten /Eigenschaften) bei der Entscheidung zur Internationalisierung eine massgebliche Rolle spielen. Die Internationalisierungsoption, die im organisationalen Feld der Schweizer KMU schon immer vorhanden war, kann nur wahrgenommen werden, wenn sowohl die Entscheider, als auch die Organisation über die hier genannten Faktoren verfügen. Ohne sie ist eine KMU-Internationalisierung natürlich prinzi­piell möglich. Doch stellt sich umgehend die Frage, ob die Internationalisierungsentscheide dann auch von ähnlich guter Qualität sind. Alles in allem macht die vorliegende Studie deutlich, dass Schweizer KMU über die entsprechenden Potenziale verfügen, um qualitativ gute und erfolgreiche Internationalisierungsentscheide treffen zu können.

Zugleich gilt es aber diese Potenziale und Kompetenzen noch systematischer zu entwickeln und zu nutzen, um so den Weg der Internationalisierung noch gezielter und erfolgreicher vorantreiben zu können. Gerade für die nächste Stufe der Internationalisierung, in der es um eine wie auch immer geartete strukturelle und soziale Verankerung in fremden Ländern geht, braucht es weitreichende, vertiefte und zum Teil wohl auch andere Kompetenzen als die vorhandenen.

Erfolgreiche Internationalisierung verlangt besondere Fähigkeiten und Persönlichkeitspotenziale seitens des Entscheiders oder des Entscheidungsgremiums, um die Sicherheit und das entsprechende Selbstbewusstsein aufzubringen, um sämtliche anstehende Entscheidungen erfolgreich treffen zu können.

Porträt

Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich (Autor)

Dozent

Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich ist Dozent für Organisation, Führung und Personal am Competence Center General Management der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Er ist zudem in der Studienleitung des Executive MBA Luzern tätig. Als Partner der Witten School of Management GmbH berät er Unternehmen in Fragen zu Veränderungen.

Prof. Dr. Claus Schreier (Autor)

Dozent, Berater

Prof. Dr. Claus Schreier ist Dozent für interkulturelles Management an der Mahidol University in Bangkok, Thailand, und an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Als Consultant berät und unterstützt er KMU bei deren Internationalisierung.

Jie Gong (Autor)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Jie Gong, M. A., MBA Luzern, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie IBR der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der KMU-Internationalisierung mit Asien-Fokus (v. a. China).