Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Finanzen & Vorsorge
Unternehmensbesteuerung

Steuerrisiken als Herausforderung für Finanzchefs in KMU

Daniel Bugnon (Autor), Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch (Autor)

24.05.17 - 03:00

Im Bereich der Unternehmensbesteuerung gibt es zahlreiche Fallstricke, die ein Unternehmen in die finanzielle Schieflage bringen können. Der vorliegende Beitrag fokussiert vor allem die relevanten steuerlichen Risiken aus einer fehlenden Abstimmung von Unternehmens- und Steuerplanung.

Tabs

Seite 4

Die Beobachtung zeigt, dass bei hinterzogenen Beträgen von 100 CHF die Nachsteuern samt Bussen sich bis zum doppelten Betrag belaufen können. Weil es sich bei der Verrechnungssteuer sowie der Mehrwertsteuer um Selbstveranlagungssteuern handelt, begeht die Gesellschaft bzw. die verantwortlichen Organe mit Eintritt der Rechtskraft – bei der Verrechnungssteuer 30 Tage nach Ausrichtung der Leistung – ein Steuerdelikt, ohne dass diese sich dessen unter Umständen bewusst sind.

Compliance-Risiken

Die Steuergesetze enthalten mannigfaltige Deklarations- und Meldepflichten, welche den Organen der Gesellschaften nicht immer gegenwärtig sind. Obwohl bei der Verletzung von Verfahrenspflichten keine Haftstrafen drohen, ist in der letzten Zeit eine Verschärfung der Praxis durch die Steuerbehörden zu beobachten.

Kritisch wird es besonders bei der Verrechnungssteuer sowie der Mehrwertsteuer, da diese Gesetze auf das Verwaltungsstrafrecht verweisen, welches im Verfahren eine Anwaltspflicht vorsieht. In diesen Fällen kann ein Steuerberater ohne Anwaltspatent lediglich die Schriftstücke für den Kunden vorbereiten. Ei­ne Vertretung wie im Einspracheverfahren und teilweise vor anderen kantonalen Instanzen ist in diesen Fällen jedoch nicht möglich.

Eine bestrafende Wirkung haben zwischenzeitlich auch die Verzugs- sowie die Ausgleichszinsen, betragen diese doch in etlichen Gesetzen rund 5 Prozent. Selbst bei getreuer Umsetzung der Steuergesetze droht den Steuerpflichtigen Ungemach mit anderen Abgabe­behörden.

Während die Steuerbehörden bei der Festsetzung der Lohnobergren­ze beispielsweise für einen Aktionärsdirektor einen Drittvergleich anstellen, erkennen die So­zialversicherungsbehörden auf «Lohnumgeh­ung», wenn bei ungenügendem Lohn der mitarbeitenden Aktionäre gleichzeitig eine 10 Prozent des Vermögenswertes überschreitende Dividende ausgerichtet wird.

Besonders störend wirkt sich dieser Methodendualismus dann aus, wenn die Ausgleichskasse eine Dividende teilweise in Lohn umqualifiziert, während die Steuerbehörden diese Beiträge mit Hinweis auf das Massgeblichkeitsprinzip nicht mehr zum Abzug zulassen. Solche Fälle lassen sich mit entsprechender Planung vermeiden, wobei die Finanzverantwortlichen in der Regel – nebst dem externen Treuhänder oder Steuerberater – über die notwendigen Kenntnisse verfügen.

Nicht selten werden Dokumentationspflichten wie die Vorschrift zur Abstimmung der Umsätze und Vorsteuern bei der Mehrwertsteuer unterschätzt. Liegt eine solche Finalisierung bei einer Buchprüfung durch die Eidgenössische Steuerverwaltung nicht vor, wird der Steuerinspektor eine Herleitung erstellen.

Weicht diese dann zuungunsten der Gesellschaft ab, wird er entsprechende Aufrechnungen vornehmen, wobei beispielsweise das Aufrechnungsergebnis eines Jahres auf fünf Jahre umgerechnet werden kann. Den Gegenbeweis muss dann die Gesellschaft erbringen, wenn sie dieses Verdikt abwenden will.

Porträt

Daniel Bugnon (Autor)

Treuhand- und Steuerexperte, Dozent

Daniel Bugnon ist Inhaber und Geschäftsführer der Bugnon und Partner AG, Reiden. Er ist sowohl dipl. Treuhand­experte als auch dipl. Steuerexperte und besitzt zusätzlich den Master of Advanced Studies MWST FH. Als Studiengangsleiter für den Zertifikatskurs «Unternehmenssteuern für Finanzverantwortliche» an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich sowie als Dozent an verschiedenen Fachhochschulen und höheren Fachschulen ist er es gewohnt, seine Studenten für das Thema Steuern zu begeistern.  

 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch (Autor)

Leiter Center for Accounting & Controlling, Dozent

Prof. Dr. rer. pol. Thomas Rautenstrauch leitet das Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Als Co-Studiengangsleiter für den Zertifikatskurs «Unternehmenssteuern für Finanzverantwortliche» sowie als Dozent im Rahmen der Ausbildung zum Steuerexperten und zum Wirtschaftsprüfer bei der Expertsuisse befasst sich Thomas Rautenstrauch regelmässig mit steuerrelevanten Themenstellungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung.