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Finanzen & Vorsorge
Geldpolitische Lagebeurteilung der SNB

Im Jahresdurchschnitt wird die Inflation negativ bleiben

Dr. Jean-Pierre Roth (Autor)

01.09.09 - 09:45

Die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat seit dem Ausbruch der Finanzkrise im August 2007 drei Phasen durchlaufen. In der ersten Phase, als die Aktivität am Interbankenmarkt allmählich zum Erliegen kam, war es der SNB das vordringlichste Anliegen, die schweizerische Wirtschaft vor einer Verschlechterung der Bedingungen am Kreditmarkt zu schützen.

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Grafik der Inflationsprognose

Inwiefern ist unsere Inflationsprognose angepasst worden? Die rot-gestrichelte Linie stellt die heutige Prognose dar. Sie erstreckt sich vom zweiten Quartal 2009 bis zum
ersten Quartal 2012 und zeigt die künftige Entwicklung der Teuerung unter der Annahme eines über den gesamten Prognosezeitraum hinweg gleich bleibenden Dreimonats-Libor von 0,25 Prozent. Die strichpunktierte grüne Linie gibt zum Vergleich die Inflationsprognose vom März wieder, die ebenfalls auf einem Dreimonats-Libor von 0,25 Prozent beruhte. Die neue Prognose geht immer noch von einer negativen Inflation für 2009 aus, jedoch mit einer leichten Korrektur nach oben. Grund dafür ist der jüngste Preisanstieg bei den fossilen Energieträgern sowie den Rohstoffen im Allgemeinen. Im Jahresdurchschnitt wird die Inflation jedoch negativ bleiben, und zwar
unverändert bei –0,5 Prozent. Für 2010 erwarten wir die Rückkehr zu einer leicht positiven Inflationsrate, die möglicherweise etwas über die März-Prognose zu liegen kommt. Der Grund dafür liegt darin, dass die Inlandinflation – trotz rückläufigem Trend – um die Jahreswende rund 1 Prozent betragen wird, während die importierte Deflation etwas rascher als erwartet zurückgehen wird. Für 2011 schliesslich, gegen Ende des Prognosezeitraums, sieht die Vorhersage einen nochmaligen leichten Anstieg der Teuerung vor, falls der dann angepeilte Libor auf dem gegenwärtigen tiefen Niveau bleibt. Es zeigt sich also, dass der Libor nicht auf unbeschränkte Zeit bei 0,25 Prozent belassen werden kann. Aber, wie aus der Prognose ebenfalls hervorgeht, wäre eine Erhöhung des Libor zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angebracht, da die für 2010 und 2011 erwarteten sehr tiefen Inflationsraten von 0,4 bzw. 0,3 Prozent deutlich machen, dass die Deflationsgefahr noch nicht völlig gebannt ist.

Die Inflationsprognose ist und bleibt eine zentrale Richtschnur für unsere Entschei­de. Dadurch stellen wir sicher, dass die zurzeit angewandten ausserordentlichen Massnahmen keine Gefahr für die mittel- und langfristige Preisstabilität darstellen.

Porträt

Dr. Jean-Pierre Roth (Autor)

Ex-Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank

Kontakt

www.snb.ch