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Finanzen & Vorsorge
Unternehmenssteuern

Erste Erfahrungen mit dem neuen Mehrwertsteuergesetz

Sibylle Merki (Autor), Franz-Peter Bissig (Autor)

01.10.10 - 16:15

Bereits sind 9 Monate vergangen, seit das revidierte Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) am 1. Januar 2010 in Kraft getreten ist. Erste Erfahrungen und Erkenntnisse geben einen Überblick über die Vorteile und Tücken der neuen Regelung. Bis heute sind noch nicht alle Mehrwertsteuerinformationen und Mehrwertsteuer-Branchen-Informationen verfügbar.

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Verpflegungsautomaten

Die Konsumation von Nahrungsmitteln ab Verpflegungsautomaten gilt immer als zum reduzierten Satz steuerbare Lieferung.

Urproduktion

Der Vorsteuerabzug gemäss Art. 28 Abs. 2 MWSTG ist entgegen dem Wortlaut des Gesetzes auch bei Einkäufen bei einem steuerpflichtigen Landwirt möglich. Eine Option auf ausgenommene Umsätze gemäss Art. 21 Abs. 2 Ziff. 26 MWSTG ist also nicht erforderlich. Es handelt sich um eine redaktionelle Ungenauigkeit.

Finalisierung

Neu gibt es den Begriff der Finalisierung. Finalisierung heisst Abstimmen der MWSt-­Abrechnungen mit dem Geschäftsabschluss (Umsatz- und Vorsteuerabstimmung). Werden Mängel aufgrund der Erstellung des Jahresabschlusses festgestellt, so müssen diese spätestens in der Abrechnung über jene Abrechnungsperiode korrigiert werden, in die der 180. Tag seit Ende des betreffenden Geschäftsjahrs fällt. Für die Berichtigung gibt es ein separates Formular. Wichtig ist es, zu wissen, dass eine Unterlassung strafrechtlich relevant ist.

Steuersatzerhöhung 2011

Das Jahresende rückt näher und somit auch die Umsetzung des Bundesbeschlusses über eine befristete Zusatzfinanzierung der Invalidenversicherung, die Anhebung der Mehrwertsteuersätze, die Volk und Stände am 27. September 2009 angenommen haben. Die auf sieben Jahre befristete Anhebung der Mehrwertsteuersätze tritt per 1. Januar 2011 in Kraft. Da in den Abrechnungsformularen bis am 30. Juni 2010 kein Platz für Deklaration von Umsätzen zum neuen Satz vorhanden war, hat die Berichtigung der Umsätze zu den neuen Steuersätzen in der Abrechnung vom 3. Quartal 2010 zu erfolgen. Wichtig ist auch die Feststellung, dass gegenüber den früheren Übergangsregelungen zu den Satzerhöhungen keine Frist mehr vorgesehen ist, in welcher die Rechnungsstellung nach erfolgter Erbringung einer Leistung zu erfolgen hat.

Porträt

Sibylle Merki (Autor)

dipl. Steuerexpertin

Franz-Peter Bissig (Autor)

lic. oec. et lic. iur., dipl. Steuerexperte