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Finanzen & Vorsorge
Lage an den Finanzmärkten

Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro verhindern

Prof. Dr. Thomas Jordan (Autor)

01.09.09 - 10:30

Die Finanzkrise hinterlässt weltweit immer deutlichere Spuren bei der Umsetzung der Geldpolitik und der Zusammensetzung der Notenbankbilanzen. Zum einen ist der Spielraum bei der konventionellen Geldpolitik praktisch aufgebraucht und unkonventionelle Massnahmen kommen zum Einsatz. Zum anderen müssen einige Zentralbanken die illiquiden Aktiven bewirtschaften, die sie vom Bankensystem aus Stabilitätsüberlegungen übernommen haben.

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Kredit merklich reduziert

Aufgrund von Zins- und Rückzahlungen konnte der Kredit der SNB bereits merklich reduziert werden. Er betrug per Mitte Mai noch 23,7 Mrd. US-Dollar. Zudem hat auch die ursprüngliche Grösse des StabFund aufgrund von Auflösungen von Derivatverpflichtungen, von Verkäufen und von Fälligkeiten um rund 6,7 Mrd. US-Dollar abgenommen. Mitte Mai betrug die Grösse des StabFund bewertet zu Anschaffungskosten noch rund 32 Mrd. US-Dollar, darunter rund 4 Mrd. US-Dollar an Eventualverpflichtungen aus Derivaten. Eine nächste Beurteilung der Wertentwicklung der Aktiven des StabFund wird per Ende des zweiten Quartals vorgenommen.

Der Kredit der SNB an den StabFund ist zu rund 80 Prozent in Dollar denominiert. Ursprünglich refinanzierte die SNB den Dollarkredit an den StabFund vollumfänglich über die bestehende Swap-Fazilität mit der Federal Reserve Bank. Mittlerweile ist dieser Anteil auf unter 20 Prozent gefallen und beträgt nur noch rund 3 Mrd. US-Dollar. Demgegenüber beträgt das ausstehende Volumen bei den SNB US-Dollar Bills, die im Februar 2009 zur Refinanzierung des Darlehens der SNB an den StabFund lanciert wurden, bereits 15 Mrd. USD. Neben diesen kurzfristigen Finanzierungsoperationen konnte die SNB mehrjährige Depotgeschäfte im Umfang von 4 Mrd. US-Dollar abschliessen. Es ist geplant, die Beanspruchung der Swap-Fazilität mit der Federal Reserve Bank weiter abzubauen.

Risiken verkraftbar

Die Risiken der SNB aus dem StabFund-Engagement sind zwar substanziell, aber angesichts der Stärke der SNB-Bilanz verkraftbar. Insbesondere möchte ich betonen, dass das Engagement der SNB bedeutend geringer ist als die in der Öffentlichkeit immer noch oft genannten 60 Mrd. US-Dollar. Die SNB sieht sich aufgrund ihres Kredits an den StabFund weder in ihrer Risikofähigkeit noch in ihrer geldpolitischen Handlungsfähigkeit eingeschränkt.

Auch aus den unkonventionellen Massnahmen ergeben sich für die SNB zusätzliche Bilanzrisiken in Form von Zins-, Währungs- und Kreditrisiken. Unsere Analysen zeigen aber, dass diese im Kontext der Gesamtbilanz relativ gering sind.

Die SNB ist sich sehr wohl bewusst, dass die unkonventionellen geldpolitischen Massnahmen neben den Bilanzrisiken auch weitere Risiken aller Art mit sich bringen. Dazu gehören die Schwierigkeiten, den geldpolitischen Impuls richtig zu bemessen und den Ausstieg aus den unkonventionellen Massnahmen optimal zu gestalten. Ebenso wie beim StabFund sind wir aber auch hier davon überzeugt, dass wir diese Risiken eingehen müssen, um andere, grössere Risiken abzuwenden.

Aussergewöhnliche Umstände erfordern aussergewöhnliche Massnahmen. Die Finanzmarktkrise bestätigt uns in der Haltung, dass die SNB über eine starke Eigenmitteldecke und ein gut ausgebautes geldpolitisches Instrumentarium verfügen muss, um jederzeit handlungsfähig zu sein.

Porträt

Prof. Dr. Thomas Jordan (Autor)

Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank